Christian  Tschannen

 

Geboren

23. September 1971

 

Aufgewachsen

1971 - 1979 Bettlach und Grenchen (SO) - bei den Eltern bis Ehescheidung 1978, danach bei Mutter.

1979 war meine Mutter, mein Bruder und ich in einer Situation wo wir Hilfe benötigt haben. Es war richtig das damals die Behörden aktiv wurden, aber was dann eingetreten ist war leider nicht mehr in Ordnung. 

Es folgten von 1979 bis 1989 Fremdplatzierungen/Massnahmen durch das Sozialamt/Vormundschaftsbehörde Grenchen, ab 1985 Sozialamt/Vormundschaftsbehörde, Einwohnergemeinde und weitere Stellen der Stadt Solothurn.

 

1979 - 1985 wurden mein Bruder und ich in einer Pflegefamilie im Oberemmental auf landwirtschaftlichem Betrieb (BE) platziert. Die Zeit war geprägt durch Arbeit auf dem Betrieb und wir erfuhren auch psychische und physische Gewalt, worüber mein Bruder und ich schon früh berichtet haben. In den Behördenakten finden sich schon sehr früh Hinweise auf Missstände, welche aber immer verharmlost und schlussendlich nicht beachtet und/oder aufgeklärt wurden.

 

Herbst/Winter 1980 wurden bei mir rheumatische Erkrankungen im Bewegungs- und Stützapparat festgestellt (autoimmune-chronische Erkrankung) - Behördenstellen wussten seit 1983/84 Bescheid.

1981/82 ergrauten die Haare meines Bruders langsam, eine Erberkrankung liegt in der Familie nicht vor. Gründe standen womöglich eher in Zusammenhang mit physischer und psychischer Gewalt, Posttraumatischer-Stress, Mangelernährung und damit verbunden Vitaminmangel. Dazu wurden nie genaue Abklärungen und Untersuchungen bei meinem Bruder vorgenommen.

Möchte aber auch erwähnen das es gute Phasen in der Pflegefamilie gab, aber nur solange mein Bruder und ich genügend Leistung erbracht und keine Fehler gemacht haben.

 

1985 - 1986 Umplatzierung und Aufenthalt in einem Kinder- und Jugendheim. 

 

Bei Umplatzierungen wurden allgemein Probleme und Missstände, welche in der Vergangenheit eingetreten sind nie richtig auf- und abgeklärt. Kognitive- und Bildungsdefizite wurden auch nicht behandelt und korrigiert.

 

1986 - 1989 Trennung von Bruder und Platzierung im Jugenddorf St. Georg Bad Knutwil (LU). Zu der 6 monatiger Abklärung- und Beobachtungszeit habe ich zugestimmt, aber die definitive Platzierung bis 1989 war illegal. 

Das Jugenddorf (St. Georg) Bad Knutwil war damals ein Heim oder Anstalt für sogenannte Schwererziehbare, also für Jugendliche die straffällig wurden - was nicht mein Problem war. 

Meine naive Hoffnung damals war, dass die Missstände welche mein Bruder und ich im Oberemmental erfahren haben, dass diese untersucht und aufgeklärt worden wären. Leider hat dies nicht funktioniert und Missstände wiederholten sich.

Der Gesundheitszustand verschlechterte sich während dieser Zeit rapide. Gründe waren unteranderem mangelnde, bis keine medizinische Versorgung, physische Gewalt, psychischer Stress und Druck, Arbeitsstress, sowie Mangelernährung und damit verbunden Vitaminmangel.

 

1989 Austritt aus dem Jugenddorf und Rückkehr nach Hause, nach Solothurn.

 

1990, 1993 und 1994 erfolglose Versuche (innerhalb der Verjährungsfrist), die Missstände, die Grund- und Menschenrechtsverletzungen während der Fremdplatzierung zu thematisieren und Strafanzeige zu erstatten. 

Offizielle Stellen, die Stadt- und Kantons-Polizei (1990/93) und IV-Stelle (während Umschulung, bzw. IV-Berufsberatung 1992/94) haben leider nicht helfen wollen. Entweder wurde immer alles verharmlost, schön geredet oder es wurde auch eingeschüchtert und gedroht, zum Beispiel mit Einweisung in eine Anstalt. Ein Hinweis existiert in den Akten, die Anstalt - welche ich besichtigen musste - wird namentlich erwähnt.

In der Verzweiflung suchte ich sogar auch Hilfe bei der Regionalen Arbeits-Vermittlungsstelle (während Arbeitslosigkeit) und  der Ratschlag lautete, das ich mein Selbstmitleid zügeln solle.

1997, vor Ablauf der Verjährungsfrist schriftlich an eine weitere Stelle gewendet, wo leider auch nicht reagiert wurde. Die Gründe sind bis heute unbekannt und werden vermutlich nie verstanden werden. Bei gegebener Zeit wird auch in dieser Angelegenheit eine Ab- und Aufklärung gesucht, doch bezweifle ich ernsthaft die Erfolgschancen. Diese Stelle wird noch nicht schriftlich erwähnt, kann aber aus meinen Arbeiten entnommen werden.

 

Wer sich gegen das Unrecht, dieses System wehren wollte und nach Hilfe gesucht hat, konnte oft keine Hilfe finden oder wurde sogar bedroht. Solche Erfahrungen haben Betroffene oft machen müssen.

 

Diese Zeiten waren geprägt von Ohnmacht, Ratlosigkeit, Resignation, aber auch Schamgefühle und Ängste. Es war eine Zeit des Schau-, Versteckspiels und/oder der Anpassungen, welche zu den Überlebensstrategien gehörten - denn auch ich hatte damals das Bedürfnis sowas wie ein “normales“ Leben aufbauen zu wollen. 

 

2004/05 Höhe- und Endpunkt des Spieles bildete z.B. in meiner künstlerischen Arbeit die Performance Raumwanderung mit Raumanzug (siehe Abbildungen unten), mein letztes "dadaistisches" Projekt als Maler und auch Endpunkt im Versuch "Karriere-Künstler" zu werden. 

Die  langjährigen gesundheitlichen Problemen,  physische Langzeit-Schädigungen aus der Vergangenheit, finanzielle Probleme und all die anderen Missstände in der Vergangenheit und Gegenwart haben zu diesem Entschluss geführt. 

In der künstlerischen Arbeit ab 2007/08 wurden neue Wege ver- und gesucht. Siehe unten Abbilder.

 

Was sich leider auch in meiner Entwicklung als Künstler nachteilig auswirkte, war der Werkjahrbeitrag (2003) des Kant. Solothurn, bzw. die damit verbundene Veröffentlichung der biografischen Angaben.

Wenn solche Angaben ohne differenzierte Erklärungen veröffentlicht werden, kann dies ein Stigmata sein - vor allem wenn Anstalten erwähnt werden.

 

2005/06 erneuter Beginn die Fremd-Platzierungen und Massnahmen anzugehen, aufzuarbeiten und weitere Betroffene zu suchen. Eine vertrauenswürdige Person - Angehöriger eines ehemaligen Verdingkindes - hat mich darauf hingewiesen, dass ehemalige Verdingkinder sich organisieren.

 

Frühjahr 2014 Kontaktaufnahme mit Opferhilfe Solothurn/Aargau, wo leider auch nicht geholfen wurde. Hätte genauere Informationen für Aktensuche benötigt und Hilfe, um Geldforderung (Kosten) in Zusammenhang mit der illegalen Platzierung im Jugenddorf zu stoppen und endlich Massnahmen gegen dieses Vorgehen einzuleiten. Leider konnte kein Vertrauensverhältnis mit der Opferhilfe aufgebaut werden.

 

Sommer 2014 erste Akteneinsicht. Akten sind noch nicht vollständig und es fehlen noch diverse Unterlagen. 

Mit Akteneinsicht endete dass Versteck-, Schauspiel und die Anpassungen, auch nehmen langsam die Schamgefühle und Ängste ab. Es ist befreiend endlich darüber sprechen zu dürfen, denn mit Hilfe der Behörden-Akten kann vieles bewiesen werden. Aber, es sind immer noch Unsicherheiten und Verlegenheiten spürbar. 

 

2016 Frühjahr, wurde endlich Dank Delegierter für fürsorgerische Zwangsmassnahmen die illegale Geldforderungen in Zusammenhang mit der illegalen Platzierung im Jugenddorf gestoppt - Schuldschein“ wurde 1990 erstellt.

Zur Zeit laufen auch in diesem Sachverhalt immer noch Auf- und Abklärungen aber leider noch ohne Unterstützung einer vertrauenswürdiger Stelle.

 

Auch sind noch Ab- und Aufklärungen in Zusammenhang verschwundene Sparbüchlein am laufen.

 

 

 

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Schulen und Ausbildungen

 

1977 - 1979 Primarschule (SO)

 

1980 - 1985 Primarschule im Oberemmental (BE) - durch die Fremd-Platzierung hatte ich ein langer Schulausfall.

Wegen Arbeit auf landwirtschaftlichem Betrieb, durfte die Sekundarschule nicht besucht werden. Die Arbeit auf dem Hof war wichtiger, Bildung eher zweitrangig - so haben sich mit der Zeit auch Bildungsdefizite ausgebildet und manifestiert.

 

1985 - 1986 Realschule (BL)

 

1986 Primarschule (BE)

 

1986 - 1987 Berufswahlklasse Jugenddorf St. Georg Bad Knutwil (LU) - nebenbei Arbeitspflicht in den heiminternen Betrieben. Kurze Tätigkeit in der Landschaftsgärtnerei bis zur Schliessung, bzw. bis zum vollständigem Abbau, danach Arbeitseinsatz in der Bauschlosserei und Bau-Schreinerei. 

 

 

 

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Berufliche Tätigkeiten & Ausbildungen

 

1987, in nicht gewollte Berufslehre als Bau-Schreiner gedrängt - Jugenddorf St. Georg Bad Knutwil (LU). 

Wegen diversen Missständen, Übergriffe, mangelnde medizinische Versorgung usw., Abbruch der Berufslehre.

 

1987 - 1989 Verschiedene Arbeiten ausgeführt, in den heiminternen Arbeitsbetriebe - Bauschlosserei, Baumalerei und Industrielackiererei. 

 

Ab November 1987 bis zum Austritt im Frühjahr 1989, wurde der Zugang zu medizinischer Versorgung und Medikamenten nicht mehr erlaubt. Mit Hilfe der Krankenakten kann dies nun dokumentiert werden.

 

1989 erfolgte mein Austritt aus dem Jugenddorf, nachdem bei den Verantwortlichen eine Einsicht und auch ein Unbehagen gewachsen war.

Mit meinen biografischen Angaben und als chronisch Kranker konnte ich nicht wählerisch mit Berufsausbildung und Stelle sein. Habe einfach das genommen was mir angeboten und gegeben wurde, ansonsten hätte ich im Jugenddorf eine 4 jährige Lehre als Industrielackierer absolvieren müssen - was ich zu dieser Zeit mental, aber vor allem gesundheitlich nicht durchgestanden hätte. 

 

1989 - 1992 Berufslehre als Autolackierer in Solothurn, welche nicht ganz freiwillig gewählt wurde. (Eidg. Fähigkeitsausweis)

Dank der grossartigen Unterstützung durch das Universitätsspital Inselspital Bern, gelang mir der erfolgreiche Lehrabschluss.

 

1992 - 1994 Nach der Berufsausbildung, Anmeldung bei Invalidenversicherung zwecks Umschulung. 

Es folgten lange Abklärungen, Wartezeiten und Kämpfe mit IV und deren Verantwortlichen. Die Wartezeiten mussten mit RAV (Arbeitslosigkeit) und Sozialamt (Nothilfe) “überbrückt“ werden.

 

1994 - 1995 Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Biel (BE) - IV lehnte anfänglich Finanzierung ab.

 

1995 - 1998 Studium Höhere Fachklasse für freie Kunst HFG (Diplom), Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern - auch hier lehnte die IV Finanzierung anfänglich ab.

 

Das ich diese Ausbildungen, der Vorkurs und das Kunststudium absolvieren konnte, verdanke ich primär dem Inselspital Bern und all den wunderbaren Menschen an diesen Ausbildungsorte. Die Verantwortlichen an der Schule für Gestaltung Biel und Luzern (Direktoren und Dozenten) und das Inselspital Bern, haben viel geleistet um mir diese Ausbildungen zu ermöglichen.

 

1998/99, wurden leider nach dem Kunststudium alle konstruktiven Ideen und Vorschläge für Zusatzaus- und Weiterbildungen (Quereinstieg als Zeichnungslehrer, für Brotarbeit) von der IV abgelehnt. 

Eine Befreiung aus der Abhängigkeit (und Entlastung für Steuerzahler/In) wurde von der IV abgelehnt. Die Erklärung war, dass keine Ausbildungen finanziert werden, welche meine Eltern in jungen Jahren hätten ermöglichen sollen. Diese Begründung wurde nur mündlich mitgeteilt und trotz meiner wiederholter Bitte nicht schriftlich formuliert. 

 

Einige Jahre später folgten auf Bundesebene lange Debatten über Sozialschmarotzer und Scheininvaliden, was eher für zahlreiche “Nichtscheininvaliden“ kontraproduktiv war.

 

Seit 1998 als Kunstschaffender tätig. Ausstellungstätigkeiten im In- und Ausland.

Ich ver-suchte alleine als Kunstschaffender, mit meiner Tätigkeit irgendwie einen Quereinstieg als Zeichnungslehrer zu finden. Aber es war naiv zu glauben als chronisch Kranker, mit meiner Biografie und die Stigmata darin, sowas ohne adäquate Unterstützung erreichen zu können.

 

All die Jahre erfuhr ich von einer Handvoll Menschen Hilfe und Unterstützung, obwohl die meisten meine Vorgeschichte überhaupt nicht kannten, und für all das was ich erfahren durfte bin ich diesen Menschen unendlich dankbar…

 



 

Raumanzug

Performance Raumwanderung

2003 - 2006/07

Letztes dadaistisches Projekt als Maler... 

 

 

 

Raumanzug - Dreiloch-Anzug mit Krawatte.

Acryl-Schichtungen auf Baumwolle geschnitzt.

Aus den Fabrikaten (Bildern) hat Schneider Mister Price, in Kapstadt (Südafrika), einen wunderbaren Dreiloch-Anzug genäht.

Fotos: Kapstadt (Südafrika) / San Francisco, Halfmoon-Bay (Kalifornien)

 

 

 

 

Raumanzug in der Geschichte.

Ein Spiel mit Raum, Zeit und Wirklichkeit(en).

Auswahl

2005 - 2007

 

 

 

 

 

Raumanzug in der Werbewelt.

Ein Spiel mit Raum, Zeit und Wirklichkeit(en).

Auswahl

2005 - 2007

 



2004/05 bis 2007/08

Übergangsphase - es wurden neue Wege gesucht...

 

 

 

 

 

 

Es folgen eine Auswahl von verschiedenen Arbeiten zwischen 2006 bis 2013/14.

 

 

Verschiedene Krücken-Arbeiten.

Auswahl

 

Währen dieser Zeit benötigte ich immer wieder Gehhilfen, Krücken zur Entlastung der Hüft-Gelenke.

Krücken können aber auch sehr inspirierend sein...

 

 

 

 

Ohne Titel

Fotomontagen

 

 

Natur-Krücken

Eine kleine serielle Arbeit

 

 

SCHNITT

2010

720 x 576p

 

Verschiedene Pflasterarbeiten

Kleine Auswahl (ohne Angaben).

Kurze experimentelle Phase mit Wundpflastern.

 


 

Kinder-Kurzfilm

Ein kleines Handicap

2013/14

Eine surreale Liebesgeschichte zwischen zwei Krücken.

Die Grundidee war das Kasperletheater.

1920 x 1080p / Stereo

 


Seit Sommer 2013 suche ich auch ab und an nach Zeichen.

 

Diese Zeichen, diese Bilder werden in Strukturen, Texturen, Farben, Formen, im Licht- und Schattenspiel, in Reflexionen u.s.w. gelesen, welche die Natur, die Welt und der Zufall zeichnen.

Diese Zeichen / Bilder werden mit Videokamera gefilmt und anschließend digital, skizzenhaft zeichnerisch, malerisch hervorgehoben und im Video ein- und ausgeblendet.

 

Dieses Phänomen wird auch als Pareidolie bezeichnet.

Pareidolien sind das Resultat bewusst oder unbewusst hervorgerufener Fehldeutungen durch das menschliche Gehirn.

Dieses neigt dazu, diffuse und scheinbar unvollständige Wahrnehmungs­bilder und -strukturen zu komplettieren und vertrauten Mustern und Formen anzugleichen. Dabei scheinen die Art und Gestalt der Trugbilder von der Erwartung des Gehirns abzuhängen.

 

Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Pareidolie